Was Eltern bewegt...

 

1. Warum ist ein frühzeitiger Fremdspracherwerb so wichtig für Kinder? Heißt es in diesem Fall wirklich „je früher, desto besser“?


Es ist wichtig das volle Lernpotential kleiner Kinder auszuschöpfen. Eine Fremdsprache zu erlernen, kann einen ausgesprochen positiven Effekt nach sich ziehen. Die neuen Klangmuster trainieren das aktive Zuhören, was sie dann auch auf ihre Muttersprache anzuwenden lernen. Das bereitet sie auf die Art des Zuhörens vor, die sie später auch in der Schule erwartet.

Der soziale Aspekt der frühkindlichen Spracherziehung ist ebenfalls interessant. Die Kinder ordnen den Klängen, der Grammatik, den Wörtern und den Sätzen eine Bedeutung zu. Gleichzeitig entwickeln sie die Fähigkeit, sich an kulturell ungewohnte Dinge anzupassen.

 

2. Gibt es keine Bedenken oder Befürchtungen, die Kinder einem zu starken Druck auszusetzen?


Die Behauptung, die Kinder würden einem immensen Lerndruck ausgesetzt, ist nicht stichhaltig. Vor allem, wenn man von rund 45 Minuten pro Woche ausgeht. Auch in bilingualen Kindergärten, in denen der Französischlehrer die “andere” Sprache (in diesem Fall Französisch) benutzt, um alltägliche Dinge aufzuzeigen oder eine Geschichte vorzulesen, kann schwerlich von einem starken Druck auf die Kinder gesprochen werden.

Druck kommt nur zustande, wenn bestimmte Resultate innerhalb einer kurzen Zeitspanne als offizielles Lernziel festgelegt werden und ein Kind Angst aufgrund einer strengen Behandlung verspürt oder die Eltern zu anspruchsvolle Ziele für ihr Kind setzen.

 

3. Könnte das frühe Erlernen einer Fremdsprache die Muttersprache beeinträchtigen?


Eine vorübergehende Beeinträchtigung kann auftreten. Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Sprachakquise, die nach dem 36. Lebensmonat begonnen wird, keine Beeinträchtigungen der Muttersprache zur Folge hat. Im Gegenteil, das Klang- und Rhythmusgefühl der Sprache wird sogar verstärkt, und wenn das Kind lernt, in der Fremdsprache zu schreiben, neigt es sehr häufig dazu, einen natürlichen Vergleich zwischen den beiden Schreibsystemen herzustellen.

Die Fähigkeit, Dinge zu vergleichen, was als komplexerer Denkprozess eingeordnet werden kann, wird auf jeden Fall trainiert. Es ist wichtig, die Fähigkeit zu erlangen, zwischen oberflächlich ähnlichen Systemen zu differenzieren. Die Kinder sind glücklich, kooperieren und versuchen zu kommunizieren, was der Leistung entspricht, die der Lehrplan für dieses Stadium vorsieht.

 

4. Kann die frühe Spracherziehung die Identitätsbildung beeinträchtigen?


Kinder wissen nicht, dass eine Vielfalt besteht und erkennen diese auch nicht als solche. Sie beobachten andere Kinder, ohne ihre Unterschiedlichkeit bewusst wahrzunehmen.

Indem sie zwei Sprachen lernen, erlernen sie gleichzeitig, in zwei Sprachen zu denken und erfahren dadurch eine Pluralität, die sie aus der Gefangenschaft einer monolithischen Identität befreit. Eine der häufigsten Kritikpunkte der frühen Sprachakquise ist die Gefahr, eine Person ohne Wurzeln hervorzubringen; aber in Wirklichkeit haben sie Wurzeln wie jeder andere Mensch. Sie wissen jedoch, dass diese Wurzeln nicht die einzige Möglichkeit darstellen und dass es genauso viele Wurzeln gibt, wie es Menschen gibt.

 

5. Verbessert der frühe Fremdspracherwerb auch die Wahrnehmungsfähigkeit?


Diese Formulierung ist in vielerlei Hinsicht richtig. Eine andere Sprache ist eine Herausforderung, eine andere Sprache ist faszinierend, das Arbeiten mit den Lernmaterialien macht Spaß. Der Besuch einer Einzelperson oder einer ganzen Kindergartengruppe aus einem benachbarten Land weckt die Neugierde des Gastgebers und es ist in seinem Interesse seine Gäste auch zu verstehen.

Befunde zeigen, dass ein früher Fremdsprachenerwerb auch nonverbale Wahrnehmungsfähigkeiten stärkt, wie beispielsweise Mathematik.

 

6. Fällt es Kindern, die schon früh an eine Fremdsprache herangeführt wurden, leichter, eine weitere Fremdsprache zu erlernen?


Es fällt ihnen leichter, wenn sie durch guten Unterricht und geeignete Lehrer in stimulierende Situationen gebracht wurden, an denen ihnen die Nützlichkeit der Sprache vor Augen geführt wurde.

 

7. Was passiert, wenn die Kinder in der Schule aufhören die Fremdsprache zu lernen oder in der Schule stattdessen eine andere Fremdsprache erlernen?  Wären dann die Bemühungen der frühzeitigen Fremdsprachakquise umsonst gewesen?


Das Problem der Kontinuität existiert in jedem Fall, auch wenn die Kinder anfangen, Englisch im Kindergarten zu lernen und den Lernprozess in der Schule fortsetzen.

Es ist weniger schwerwiegend, wenn der frühe Spracherwerb weniger den Erwerb sprachpraktischer Kenntnisse einer bestimmten Sprache als vielmehr allgemeine Ziele zum Zweck hatte. So wie der Ausschuss in seinem Action Plan 2004 -2006 bestätigt: “Der frühe Spracherwerb im Kindergarten oder in der Grundschule ist effektiv, weil er eine offene Grundhaltung gegenüber anderen Sprachen und Kulturen schafft und das Fundament für eine spätere Sprachakquise legt.“

Auch wenn in den nachfolgenden Bildungsstufen weniger Raum für Sprachen ist, werden die Kinder durch einen frühen Spracherwerb offener, und die Angst vor Fremdsprachen, sowie die mit ihnen assoziierten Schwierigkeiten, werden ihnen genommen.



Quelle: Piccolingo-Kampagne der EU-Komission